Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
Selbstzeugnisse als Spiegel der Integration der Vertriebenen aus Ungarn, Schwerpunkt: Privatbriefe

Im IVDE werden zahlreiche Privatbriefe von Vertriebenen aus Ungarn aufbewahrt, die auf unterschiedlichen Wegen an das Institut kamen – bzw. immer noch kommen. Einem besonders umfangreichen Bestand, der Korrespondenz der Ungarndeutschen mit dem Volkskunde- und Sprachforscher Eugen Bonomi im Zeitraum 1946-1979 wird ein gesondertes Dokumentationsprojekt gewidmet.

Die rund 400 Briefe von Vertriebenen aus dem Ofner Bergland/Ungarn, die derzeit für eine Dokumentation vorbereitet werden und die sich in dem 1977 dem Institut vermachten volkskundlichen Nachlass des Wissenschaftlers Eugen Bonomi (1908, Orșova – 1979, Schorndorf) befinden, stellen wertvolle Selbstzeugnisse über die Zeit nach der Ankunft in der neuen Heimat Baden-Württemberg dar. Die Privatbriefe beleuchten den Integrationsweg einzelner Familien und berichten über die Integrationserfolge und -schwierigkeiten sowie über Alltagserfahrungen aus der sonst selten so greifbaren Einzelperspektive, und nicht zuletzt werfen sie ein Licht auf die damalige „Willkommenskultur“. Die Briefe werden nicht nur auf ihren Quellenwert untersucht, sondern auch aus der speziellen Sicht der Volkskunde/Kulturanthropologie gedeutet. Dabei wird auch auf die sprachlichen Merkmale der Briefe (den mitgebrachten Sprachzustand und die praktizierte Zweisprachigkeit) ein Augenmerk gelegt.

Vorträge

Privatbriefe von ungarndeutschen Heimatvertriebenen (1946-1953) und was sie erzählen. Schwetzingen, 28.04.17, Volkshochschule Schwetzingen

Ankunft und Integration der Solymárer in Baden-Württemberg im Spiegel ihrer Privatbriefe. Briefe von Heimatvertriebenen aus Solymár/Ofner Bergland im Bestand des IVDE. 20.01.2017, Gedenktag der Vertreibung, Solymár, Gemeindehaus

„von zuhause aber nihts besonderes neues, nur fil Arbeitz lose gibt es, und ein neuer Gruss in der Schule. Nincs Isten die Antwort ist Még nem is volt [Es gibt keinen Gott, die Antwort ist, es hat nie einen gegeben]“ – zum Sprachwechsel in den Privatbriefen einer heimatvertriebenen Frau aus Budaörs/Ungarn in den Jahren 1946-1953. 15.10.2016 Gerlingen

„Wir haben doch Glück gehabt das wir einander gefunden haben wenigstens Brieflich“. Privatbriefe von Budaörscher Heimatvertriebenen (1946-1979) aus dem Nachlass von Eugen Bonomi im IVDE Freiburg, 18.01.2016, Gedenkfeier im Jakob Bleyer-Heimatmuseum zum 70. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen, Budaörs

Publikationen

„Ja das ist sehr ri[c]htig. Itt se kellünk[,] ott se kellünk [Hier braucht man uns nicht, da braucht man uns nicht]“ – Sprachwechsel /Kode-Umschaltung in Briefen einer heimatvertriebenen Frau aus Ungarn in den Jahren 1947–1953. In: Hannes Niclas Philipp/Andrea Maria Ströbel: Deutsch in Mittel-, Ost und Südosteuropa. Geschichtliche Grundlage und aktuelle Einbettung (Forschungen zur deutschen Sprache in Mittel, Ost und Südosteuropa, FzDiMoS, 5), Regensburg, 2017, S. 162-189.

Eugen Bonomis Briefwechsel mit Heimatvertriebenen. Zur geographischen Zuordnung der Briefe und zur Bedeutung der Korrespondenz. In: Anikó Szilágyi-Kósa u. a. (Hg.): Wandel durch Migration. Veszprém 2016, S. 75-86.

„… aber wen[n] man sich Deutsch beken[n]t darf man nicht mehr nachhause wen[n] es einmal soweit kom[m]t“. Adatok egy Württembergbe kiűzött budaörsi család integrációjához magánleveleik tükrében [Zur Integration einer nach Württemberg vertriebenen Familie aus Budaörs im Spiegel ihrer Privatbriefe]. In: Pro Minoritate, Német kitelepítések – 70 éve [Vertreibung der Deutschen – vor 70 Jahren], 2016, Sommer-Ausgabe, S. 19-46 (Online zu lesen: http://www.prominoritate.hu/folyoiratok/2016/ProMino-1602-03-Schell.pdf

(zusammen mit Saskia Pably): Budaörsi kitelepítettek levelei Bonomi Jenőnek. A levélváltások gyakoriságára vonatkozó néhány adat elemzése [Briefe der Heimatvertriebenen aus Budaörs an Eugen Bonomi. Auswertung einiger Daten zur Häufigkeit des Briefwechsels]. In: Acta Ethnologica Danubiana, Jahrbuch des Forschungszentrums für Europäische Ethnologie Komárom–Somorja, 17 (2015), S. 223-228.

Projekt von: Csilla Schell
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